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Humans · Nature · Economy

Ein Jahr nach Fukushima

March 10th, 2012
in: Humans, Nature, Economy
by: Redaktion
located in: Japan
tags: Atomlobby, Dekontaminierung, Fukushima, GAU

Am 11. März 2011 blickte die ganze Welt nach Fukushima in Japan. Unfassbare Bilder spielten sich auf unseren Fernsehbildschirmen ab. Wir haben mit Akiko Yoshida von Friends of the Earth gesprochen, was seit damals passiert ist.

Vor einigen Jahren kam Akiko Yoshida als Austauschstudentin nach Bonn. Heute ist die engagierte Japanerin zu einem weniger schönen Anlass nach Deutschland zurückgekehrt. Es ist der erste Jahrestag der Nuklearkatastrophe von Fukushima, bei der sich nach einem Erdbeben und einem Tsunami mehrere Explosionen im Kernkraftwerk Daiichi ereigneten. Seit dem tragischen Unfall im japanischen Kernkraftwerk reist Akiko Yoshida durch die Welt, um mit dem Verein Friends of the Earth (FoE) Japan Aufklärungsarbeit über die unterschätzten Gefahren der Atomkraft zu tätigen. Die Aktivistin setzt sich außerdem für die Evakuierungs- und Kompensationsrechte der Bewohner Fukushimas ein. Wir trafen sie in Berlin zu einem kurzen Interview.

Frau Yoshida, können Sie uns kurz etwas über die Organisation Friends of the Earth (FoE) Japan erzählen, für die sie sich engagieren?

Friends of the Earth Japan ist Teil von FoE International, die Millionen Mitglieder in aller Welt hat. In Japan wurde sie 1980 gegründet und ist dort weitaus kleiner als Foe International. Zum Thema haben wir unter anderem Wälderschutz in Entwicklungsländern und auch in Japan, Öffentliche Entwicklungszusammenarbeit (ODA) der japanischen Regierung für Entwicklungsländer und Abfallvermeidung für den Klimaschutz. Nach der Katastrophe in 2011 haben wir uns entschlossen uns intensiver mit Fukushima und Nuklearpolitik zu beschäftigen. Ich bin seit 5 Jahren bei FoE Japan und habe vorher in den Bereichen Klimaschutz und Abfallvermeidung gearbeitet.

Wie würden Sie die Fortschritte beschreiben die Ihre Organisation im letzten Jahr gemacht hat?

Nach der Katastrophe sind mehr und mehr Leute aufmerksam geworden und wollte sich engagieren. Sie haben uns sehr unterstützt was Spenden, Demonstrationen oder Petitionen angeht. Unser Schwerpunkt ist zunächst aber die Evakuierungspolitik der Regierung auszuweiten. Im Moment ist diese nämlich eher schwach. Wie Sie ja sicherlich wissen, umfasst die Evakuierungszone momentan nur 20 km. Ansonsten gibt es nur einige weitere empfohlene Evakuierungsorte. Außerhalb der Evakuierungszonen gibt es noch zahlreiche Menschen, die sich selbstständig evakuiert haben. Für diese Menschen sind die Entschädigungsmaßnahmen schlicht und einfach zu gering. Die Menschen, die immer noch in Bezirken von Fukushima leben, die nicht evakuiert werden mussten, sind trotzdem Radioaktivität ausgesetzt. Diese beträgt ca. 2 Mikrosievert pro Stunde, das ist viel zu hoch besonders für Kinder und schwangere Frauen.

Wie stehen Sie zum Thema Dekontaminierung?

Was ist denn überhaupt Dekontaminierung? Die oberflächliche Erde vom Boden zu entfernen oder mit Wasser die Häuser abzuspülen? Die Resultate der Dekontaminierung sind begrenzt. Für die Dekontaminierung eines Hauses alleine braucht man mehrere Tage und die Radioaktivität kommt trotzdem immer wieder zurück. Für effektive Resultate muss man mindestens zwei Jahre einplanen. In dieser Zeit müssen wenigstens die Kinder evakuiert werden, die noch in den Regionen wohnen. Das ist unsere Forderung an die Regierung.

Sie sagten, dass Sie schon seit fünf Jahren für FoE Japan arbeiten. Was hat Sie dazu motiviert sich schon vor der Nuklearkatastrophe gegen Atomkraft einzusetzen?

Vor der Katastrophe hatten wir schon die Ansicht, dass die sogenannte Atomlobby einfach zu groß ist. Es ist äußert schwierig die Energiepolitik der Regierung zu verändern. Aber ganz logisch gedacht, ist Atomenergie keine Energie für die Menschheit. Wir können diese gar nicht beherrschen. Das hat der Unfall in Fukushima deutlich gemacht. Mit welchen Maßnahmen können wir uns überhaupt schützen? Es ist nicht möglich Atomkraft mit absoluter Wahrscheinlichkeit als sicher zu erklären.

Das Interview führte Sara Jabril

Foto: Sara Jabril

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