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Economy

Foodsharing: Essen teilen, statt wegwerfen

November 12th, 2012
in:Economy
by:Redaktion
located in:Germany
tags:Abfall, App, Konsum, Lebensmittel, Teilen, Überfluss, Valentin Thurn

In Deutschland regiert in Bezug auf Nahrungsmittel eine Kultur des Überflusses: Lebensmittel sind in den Supermärkten im Überfluss vorhanden und werden von den Konsumenten im Überfluss gekauft. Überfluss bedeutet auch: Viel wird weggeschmissen.

Supermärkte, Bäckereien, Bauern müssen Lebensmittel entsorgen, da diese das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten haben, sie den gängigen Schönheitsvorstellungen nicht entsprechen oder weil die Regale im Handel bis Ladenschluss voll sein sollen – mit Backwaren, Obst, Gemüse und anderen leicht verderblichen Waren. Fakt ist: Deutsche Privathaushalte werfen jedes Jahr Lebensmittel im Wert von rund 22 Milliarden Euro weg. Dabei handelt es sich um vermeidbare Abfälle, die zum Zeitpunkt ihrer Entsorgung noch uneingeschränkt genießbar gewesen wären. Und nicht um Bananenschalen oder Aprikosenkerne.

Der Filmemacher Valentin Thurn hat letztes Jahr mit seinem Dokumentarfilm „Taste the Waste“ für Aufsehen gesorgt, in dem genau diese Wegwerfmentalität thematisiert wird. Als Konsequenz aus der im Film aufgezeigten Problematik hat Thurn nun mit einigen Mitstreitern eine Internet-Plattform ins Leben gerufen: Foodsharing. Über ein Online-Portal und eine Smartphone-App sollen sich Menschen verabreden können, um Essen zu teilen.

Foodsharing hat ein einfaches Prinzip: Verschenken statt wegwerfen. Jemand fährt in den Urlaub und hat aber noch zwei Liter Milch, Käse und Wurst im Kühlschrank. Statt die Lebensmittel wegzuschmeißen, kann man nun die Barcodes abscannen oder die Produkte am Computer in eine Eingabemaske eintragen. Die anderen Nutzer der Plattform bekommen nun die verfügbaren Lebensmittel und den ungefähren Standort auf ihren Computern oder Smartphones angezeigt und können sich, wenn sie interessiert sind, reservieren. So wird gewährleistet, dass immer nur ein Abholer vorbeikommt, um Milch, Käse und Wurst in Empfang zu nehmen.

Auch Bauern und Supermärkte können sich bei Foodsharing anmelden und so Lebensmittel vor dem Wegschmeißen bewahren. Der Wunsch, Lebensmittel zu teilen, ist an vielen Stellen vorhanden: Etwa wenn die eigene Gartenernte wieder zu groß ausfällt, ein Bauer seine für den Handel zu „hässlichen“ Kartoffeln nicht dem Müll überlassen möchte oder nach einer Party vom Buffet viel übrigbleibt. Über die Foodsharing-Community kann man sich auch zum gemeinsamen Kochen verabreden und so die gute Sache mit gutem Essen und geselligem Zusammensein verbinden. Sebastian Engbrocks, ein Teammitglied von „Taste the Waste“ und Foodsharing, sieht darin einen weiteren großen Vorteil der Community: Ähnlich wie etwa CouchSurfing verbinde Foodsharing den Nutzen mit der Möglichkeit, Gleichgesinnte kennenzulernen und sich auszutauschen.

Das Team von Foodsharing hat über das Crowdfunding-Portal startnext über 11.000 Euro für die Entwicklung und Programmierung der Website und der App gesammelt. Auf der Foodsharing-Homepage soll es ab dem 12. Dezember 2012 losgehen - wer will, kann das Projekt unterstützen und für 60 Euro im Jahr Fördermitglied im Foodsharing e.V. werden. Eine E-Mail an info(at)foodsharing.de genügt.

Text: Kristina Schäfer

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